Mobiles Sorgenbüro

Niedrigschwellig – das ist ein herausragendes Kriterium für Hilfsangebote aller Art. Zwischen Hilfe und Hilfesuchenden darf es keine Hindernisse geben. Deswegen kommen wir den Kindern mit unserem „Mobilen Sorgenbüro“ da entgegen, wo sie sich fast täglich aufhalten: in den Schulen. Erfahrene, qualifizierte Fachkräfte kümmern sich dort um kleine Sorgen und große Nöte.

Aktuelle Einsatzorte des Mobilen Sorgenbüros des Kinderschutzbundes Westerwald

  

 

 

Bericht aus dem Schuljahr 2019/2020

Wenn wir an das Schuljahr 2019-2020 zurückdenken, wird alles überstrahlt von seinen letzten Wochen, von dieser unwirklich scheinenden Zeit der Corona-Pandemie, von der wir nicht ahnten, dass sie „nur“ eine „erste Welle“ sein würde. Plötzlich waren die Schulen geschlossen, die Verbindung zu den Kindern und Eltern auf Telefon und Mail reduziert, wo vorher die geschützten Räume der „Mobilen Sorgenbüros“ offenstanden. Mitarbeit in der Notbetreuung, Telefonkonferenzen mit sensibilisierten und besorgten Lehrer*innen, mehr Kontakte zum Jugendamt – aber die Kinder waren fern. Dann endlich die Rückkehr, die sich aber nicht nach Normalität anfühlte: Hygienekonzepte und deren Überarbeitung, alles auf Abstand, das Lehrerzimmer als Kommunikationszentrum fiel weg, versetzte Pausen, Masken – es herrschte eine trübe Stimmung – auch bei den Kindern.

Und das, obwohl alle froh waren, wieder da zu sein. Schule ist doch so viel mehr als Unterricht und Klassenarbeiten. Wir haben unser Angebot aufgestockt, viele, viele Gespräche geführt, vor allem mit den älteren Kindern, die die Sorgenbüros schon kannten; bei den Jüngeren musste Vertrauen neu aufgebaut werden. Wie es war? Die Freunde haben gefehlt und sogar die Lehrer*innen, die Geburtstagsfeiern und die Ausflüge. Die Angst der Eltern und Großeltern vor dem Virus übertrug sich auf die Kinder – manche hatten Albträume. Was auch am erhöhten Konsum von Filmen, Spielen und Internet gelegen haben kann. Auch wenn es nicht leicht war, wegen der Ansteckungsgefahr auf therapeutisches Material und Spiele zu verzichten und völlig kontaktfrei zu arbeiten: Es herrschte Erleichterung. Aus dem Lockdown daheim, in Familien, die unter der Vielfachbelastung von Home-Office, Geldsorgen, Homeschooling und Virus-Angst gelitten haben, waren sie wieder zurück in ihrer Schule. Und im Sorgenbüro.

Unsere Statistik hat durch den Lockdown und beim Neustart natürlich ihre Vergleichbarkeit mit den Vorjahren verloren. Das Thema Krankheit/Behinderung ist beispielsweise nach den Corona-Wochen so oft angesprochen worden, dass trotz der Schulschließung fast die Zahl der Vorjahres-Nennungen erreicht wurden. Die fast schon traumatische Sorge vor dem Virus und davor, dass jemand aus der Familie krank wird, hat die Kinder belastet – und wird sie weiter belasten. Damit müssen wir uns noch eine Weile auseinandersetzen.

Wenn wir den Blick auf die Monate vor der Pandemie richten, sehen wir die bisherigen Erfahrungen verstetigt: Konflikte mit Familienmitgliedern werden weiterhin als Ursache Nr. 1 von Kindersorgen genannt, gefolgt von Schwierigkeiten, die aus Trennung und Scheidung resultieren – wie der Streit um Umgangskontakte. Nach wie vor gibt es fast keine Probleme mit Lehrer*Innen. In den Wochen der Corona-Krise hat neben dem Thema Krankheit auch die Rubrik Tod / Trauer in den Wochen der Corona-Krise an Bedeutung gewonnen.

Trotz der Phase der Schließungen lag die Zahl der Kinder, die ein „Sorgenbüro“ besuchten, bei mehr als 600 und ist kaum gesunken. Das gilt auch für die Summe der Gespräche mit Kindern (2295) und der Gespräche mit Lehrer*Innen (1006), Eltern/Verwandten (209), dem Jugendamt und Beratungsstellen (zusammen 229).